RÄUMLICHE UND ARBEITSORGANISATORISCHE ASPEKTE  DER
                     PATIENTENBERATUNG

 J. Framm

 
 

Für die Patientenberatung in der Apotheke sind die räumlichen und arbeits-organisatorischen Bedingungen sowie die Bereitstellung geeigneter Informations-materialien von entscheidender Bedeutung.
Dennoch werden immer wieder neue Apotheken eingerichtet, in denen diese Aspekte nicht die notwendige Aufmerksamkeit finden. Vielfach dominiert die Präsentation von Arzneimitteln und apothekenüblichen Waren. Dies hat seinen Sinn, darf aber nicht dazu führen, dass der Patient eher abgelenkt oder verwirrt wird.

Für die Patientenberatung sind eine klare Linienführung der Einrichtung, angenehme Beleuchtung und sparsames künstlerisches Detail vorteilhaft. Ebenso können natürliche Belüftung, Dämpfung der Akustik sowie die Farbgebung der Offizin von positiver Wirkung sein.

Es ist konsequent, wenn in der Sichtwahl nicht die ganze Vielfalt der Präparate angeordnet wird, sondern bewusst eine Vorauswahl getroffen wurde: Dort werden am besten diejenigen Präparate placiert, für die sich der Apotheker gemeinsam mit seinen Mitarbeitern ständig in der Beratung einsetzt sowie auch solche, deren Bekanntheitsgrad und Akzeptanz in der Bevölkerung groß sind (die zugleich aber pharmakologisch sinnvoll, also wirksam und unbedenklich, und  n i c h t  überteuert sind). Das entspricht dem Selbstverständnis des Apothekers (und seinem gesetzlichen Auftrag) als fürsorglicher Berater des Patienten.

Das Kundenverhalten kann durchaus negativ beeinflusst werden, wenn der Apotheker in der Sichtwahl (oder im Schaufenster) unbedacht für unwirksame, oder gar bedenkliche sowie überteuerte Produkte wirbt (also indirekt berät).

Es ist für die Kunden ferner sehr hilfreich, wenn die ausgewählten Präparate in der Sichtwahl durch Blockbildung - in größerer Anzahl - übersichtlich angeordnet und die verschiedenen Bereiche der Selbstmedikation durch Schriftbänder gekennzeichnet werden

Die Überfülle des Angebots, mit dem der Apothekenbesucher zusätzlich durch zahlreiche Verkaufshilfen und Displays konfrontiert wird, wird ihn häufig verunsichern.

Nicht zuletzt hat eine gute Arbeitsorganisation erheblichen Einfluss auf die Patientenberatung.

Günstig ist, wenn der Abgabetisch durch Blumen, Raumteiler und Beleuchtung in mehrere - mit ca. 1,20 m ausreichend dimensionierte - Bereiche gegliedert ist oder sogar mehrere Einzeltische eingerichtet werden, die die individuelle Verständigung erleichtern.

Es wäre sehr vorteilhaft und wird von der Gesundheitspolitik und der kritischen Öffentlichkeit (Informationelles Selbstbestimmungsrecht der Kunden und Patienten) zunehmend gefordert, wenn alle Beratungsvorgänge in der Offizin mit der gleichen Diskretion erfolgen könnten, wie sie z. B. in den Banken bereits üblich ist. In der zu erwartenden Überarbeitung der Apothekenbetriebsordnung wird es dazu weitere konkrete Festlegungen geben.
 
 

EINRICHTUNG UND BESONDERHEITEN EINER BERATUNGSZONE
 

1994 wurde in der Novellierung der Apothekenbetriebsordnung festgeschrieben, dass eine Offizin so einzurichten ist, daß die Vertraulichkeit der Beratung gewahrt werden kann (§ 4 Apothekenräume).

Diese Regelung entspricht der Tatsache, dass es in den Apotheken immer wieder zu besonderen Situationen kommt, in denen das Beratungsgespräch mit dem Patienten eine gewisse Intensität erreicht und/oder eine noch stärkere Diskretion erforderlich wird.

Beispiele für solche Situationen können  u. a. sein:

        - Patienten erhalten ein besonders wichtiges und erklärungsbedürftiges Präparat,

        - Patienten stellen gezielte Fragen zur Wirkung, Nebenwirkung oder
          Wechselwirkung eines Arzneimittels

        - Patienten lassen Arzneimittelmissbrauch, bzw. eine beginnende
          Arzneimittelabhängigkeit erkennen,

        - Check-up-Gespräche im Rahmen der Pharmazeutischen Betreuung

        - Pharmazeutische Betreuung von Diabetikern und Asthmatikern

        - Patienten erhalten Stoma-Artikel,

        - Beratung im Rahmen der Selbstbehandlung.

In den meisten  Apotheken hat man bereits eine Beratungszone eingerichtet. Sie wird in Abhängigkeit von den Gegebenheiten entweder als eine an die Offizin angrenzende, halboffene Räumlichkeit - d.h. als Beratungsraum, (vorwiegend in größeren Apotheken) oder innerhalb der Offizin als Beratungsplatz gestaltet. Für die Einrichtung einer Beratungszone hat sich eine Fläche von 6 m2 als ausreichend erwiesen.

Wenn die Beratungszone als Beratungsplatz innerhalb der Offizin eingerichtet ist, ergibt sich der Vorteil, daß die Beratung des Apothekers für Apothekenbesucher immer wieder visualisiert wird.

Jedoch muss darauf geachtet werden, dass durch Raumteiler eine ausreichende akustische und optische Abgrenzung erreicht wird.

Ein geschlossener Beratungsraum ist eher ungünstig. Dieser behindert etwas den Ablauf und setzt psychologische Barrieren. Es erscheint ausreichend, wenn die Räumlichkeit im Bedarfsfall geschlossen werden kann .

Die Beratungszone sollte als wesentliche Elemente einen Tisch und Sitzgelegenheiten für Apotheker und Patient erhalten. Da Patienten nicht selten in Begleitung eines Angehörigen in die Apotheke kommen, ist es sinnvoll, sogar drei Sitzgelegenheiten zu schaffen. Günstig ist, wenn die Beratungszone - aus der Sicht des Patienten - links vom Abgabetisch eingerichtet wird, denn damit wird dem offenbar natürlichen Bewegungsbedürfnis der Apothekenbesucher und den Vorgängen in der Offizin am besten entsprochen. Auch die direkte Anbindung an das Büro des Apothekers ist von Vorteil.

 

Die Beratungszone sollte eine freundliche, aber noch sachliche Gestaltung erhalten. Da Form und Inhalt eine Einheit bilden müssen, und um die Position des Apothekers als kritischer und abwägender Fachmann zu unterstreichen, wird empfohlen, auf die Warenpräsentation in diesem Bereich zu verzichten.

Außerdem erscheint es wesentlich, dass am Beratungsplatz bzw. im Beratungsraum alle Informationsmaterialien, Broschüren und Fachbücher vorhanden - und sichtbar - sind, die für die Vielfalt der Patientenfragen benötigt werden. Auch die Nutzung des Computersystems der Apotheke via Bildschirm ist selbstverständlich.

Die gleichzeitige Verwendung der Beratungszone für Blutdruckmessungen und die Ermittlung klinischer Parameter (Installation eines Waschbeckens bedenken) im Sinne der Prävention ist inzwischen in vielen Apotheken üblich. Dadurch ergeben sich immer wieder zusätzliche Patientengespräche, die dem Apotheker helfen, seinen beruflichen Auftrag zu erfüllen.

Vielfach erfasst er in der Beratungszone rascher, worum es dem Patienten geht, zumal der Patient in einer solchen Atmosphäre offener und gesprächsbereiter ist. In der (herkömmlichen) Offizin stört ihn - verständlicherweise - die Anwesenheit anderer Personen. Die Neigung der Patienten, die Gespräche auszudehnen, ist stets zu beherrschen.

Allerdings werden durch die Einrichtung einer abgetrennten Beratungszone auch höhere Erwartungen geweckt und der Apotheker, der sich dort bewähren will, wird sich auf die Fragen und Erwartungen der Patienten besonders gut vorbereiten müssen.

Prinzipielle Haltungen zur Rolle der Arzneimittel in der Gesellschaft, zum Problem der Nebenwirkungen, zu alternativen Heilmethoden aber auch Kenntnisse über alte Hausmittel und dgl. können an Bedeutung gewinnen.

Mit dem Blick auf die Tätigkeit der Ärzte ist bei den vertraulichen Gesprächen in der Beratungszone eine gewisse Zurückhaltung zu beachten, damit - wie es der § 20 der ApBetrO fordert - die ärztliche Therapie nicht beeinträchtigt wird.

Im Rahmen der Selbstbehandlung muss sich der Apotheker entschiedener als in der herkömmlichen Offizinsituation von den Aufgaben des Arztes abgrenzen, um falsche Erwartungen der Patienten zu vermeiden.
 
   

Die Beratungszone ist gemäß §4 ApBetr0 Bestandteil der Apotheken-Einrichtung. Der Apotheker braucht bei intensiven Patientengesprächen derartige, adaequate Bedingungen, für die mit einigen Kassen - im Rahmen des Hausapotheker- Konzeptes - vereinbarte Erstellung der Medikationsberichte sind sie unverzichtbar.
Auch für die kritische Öffentlichkeit ist die Einrichtung eines professionell gestalteten Beratungsplatzes oder -raumes von großer Bedeutung: So wird sichtbar und glaubhaft, dass die Apotheker das Hausapotheker-Konzept mit Leben erfüllen.
 

Aus: Framm, J. , M. Schaefer u. H. Derendorf: Patientenberatung in der Apotheke, Deutscher Apotheker Verlag Stuttgart 1996, Teil 1 gekürzt und überarbeitet August 2008