Empfehlungen für die Beratung im Rahmen der Selbstmedikation
 

Nachfolgend sind für einige wichtige Bereiche der Selbstmedikation

Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Grippe,

   Kopfschmerzen, Verstopfungund  Magenbeschwerden
jeweils Fragen

            - zur Symptomerfassung und
            - zu den Grenzen der Selbstbehandlung

zusammengestellt worden.

Diese Zusammenstellung fand immer besonderes Interesse bei den Lehrveranstaltungen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wurde im wesentlichen auf der Grundlage der Werkes von R.Braun und M.Schulz: "Selbstbehandlung . Beratung in der Apotheke" (Govi-Verlag ) und "Selbstmedikation" von H. Hamacher und B. Bornkessel (Deutscher Apotheker Verlag)  vorgenommen.

Die gründliche Durchdringung der Selbstmedikation mit Hilfe dieser Werke möchte ich jeder angehenden Apothekerin/jedem angehenden Apotheker ans Herz legen.

Für die Selbstmedikation wird Ihnen auch das neue Taschenbuch  von K. Lennecke et al. ("Selbstmedikation"  Deutscher Apotheker Verlag, 2001) von großem Nutzen sein, das nunmehr einen raschen Zugang in der Offizinpraxis ermöglicht
 

Als einprägsamen Algorithmus empfehle ich für die Gesprächsführung bei Beratung zur Selbstbehandlung
(vgl. auch die QMS-Leitlinie "Information und Beratung des Patienten bei der Abgabe von Arzneimitteln -Selbstmedikation-", Pharm.Ztg. Heft 30 (2000), 145. Jahrgang, Seite 113):

           1. Wer?

            2. Wie lange?

            3. Befragung der Symptome (auch Begleitsymptome)

            4. Hinterfragung der Eigendiagnose

            5. Abschätzung der Kontraindikationen und Wechselwirkungen
                (zugleich Prüfung, ob der Patient in ärztlicher Behandlung ist)
                mit der einfachen Frage: "Nehmen Sie noch weitere, vom Arzt
                verordnete Arzneimittel, für andere Beschwerden oder
                Erkrankungen, ein?" In der Praxis bewährt sich auch die
                (partnerschaftliche Zusatz-) Frage: "Müssen wir in in Ihrem
                Fall noch etwas Besonderes beachten?"

            6. Erläuterungen zum Präparat. Aufklärung über Risiken und
                Nebenwirkungen

            7. Allgemeine Empfehlungen

            8. Warnhinweis, Aufzeigen der Grenzen der Selbstbehandlung
 
 

HUSTEN

Fragen zur Symptomerfassung

- Wer hat Husten?

- Welche Art von Husten?
  Ist es ein Husten der sich lösen will oder ein trockener Reizhusten?

- Seit wann Hustenbeschwerden?

- Welche Arzneimittel wurden bereits ausprobiert?

- Welche Begleitsymptome wurden beobachtet?
  (Fieber, Grippesymptome, Schmerzen beim Husten)

Grenzen der Selbstbehandlung

Zum Arzt, wenn:

- akutes Auftreten von Hustenanfällen mit Fieber

- Schmerzen beim Atmen oder Husten

- Rassel-/Pfeifgeräusche beim Atmen

- eitriger, blutiger oder gefärbter Auswurf

- Schwangerschaft/Stillzeit

- Säuglinge, Kleinkinder

- Verdacht auf Arzneimittelnebenwirkungen, z.B. ACE-Hemmer.
  Zu den ACE-Hemmern gehören Präparate wie Lopirin, Tensobon, Xanef, Acerbon.

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SCHNUPFEN

Fragen zur Symptomerfassung

- Wer hat Schnupfen?

- Welche Art von Schnupfen?
  • Banaler Schnupfen: laufende Nase, Niesen, verstopfte Nase
  • Trockene Nase (bedingt durch Umwelt, klimatisierte Räume, Rauchen,
     Mißbrauch von Nasentropfen)
  • Allergischer Schnupfen: häufige Niesattacken, Schwellungsneigung

- Seit wann treten die Beschwerden auf?

- Welche Arzneimittel wurden bereits ausprobiert? Wie lange?

Grenzen der Selbstbehandlung

Zum Arzt, wenn:

- hohes Fieber

- eitriges Sekret

- Schwangerschaft/Stillzeit

- Kinder unter 1 Jahr

- Verdacht auf arzneimittelbedingten Schnupfen,
  Schnupfen bzw. eine "verstopfte Nase" kann als
  Nebenrkung bei der Einnahme von Antidepressiva, Neuroleptika
  und Antihypertensiva auftreten

- Verdacht auf Nebenhöhlenbeteiligung
  Einen Hinweis auf Entzündung der Nasennebenhöhlen geben:
  • Druck- und Bückschmerz über dem betroffenen Nebenhöhlenareal
  • eitriger Nasenfluß
  • evtl. Zahnschmerzen

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HALSSCHMERZEN

Fragen zur Symptomerfassung

- Wer hat Halsschmerzen?

- Welche Art von Halsschmerzen?
  (Schluckschmerz, Heiserkeit, "rauher Hals")

- Seit wann treten die Beschwerden auf?

- Welche Begleitsymptome? (Fieber, eitrige Beläge)

- Wurden bereits Arzneimittel angewendet?

Grenzen der Selbstbehandlung

Zum Arzt, wenn:

- Fieber

- heftige Schluckbeschwerden

- eitrige Beläge, Verdacht auf Angina

- Schwangerschaft/Stillzeit

- Kinder unter 7 Jahren

- einseitige Halsschmerzen
  (sind Hinweis auf bakterielle Infektion)

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GRIPPE

Fragen zur Symptomerfassung

- Wer?

- Welche Art von Beschwerden?
  (Kopfschmerzen, Schluckbeschwerden,
   Husten, Schnupfen, Fieber)

- Treten weitere Beschwerden auf?

- Seit wann?

- Welche Arzneimittel wurden bereits angewendet?

Grenzen der Selbstbehandlung

Zum Arzt, wenn:

- Verdacht auf Influenza
  (schwerwiegende Symptome)

- langanhaltendes, hohes Fieber
  (2-3 Tage >39°C)

- Schwangerschaft/Stillzeit

- Kinder/Jugendliche unter 16 Jahren
  ältere Patienten über 65 Jahren

- Patienten in ärztlicher Behandlung, vor allem bei
  Asthma, Diabetes, Herz-/Kreislauferkrankungen

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KOPFSCHMERZEN

Fragen zur Symptomerfassung

- Wer hat Kopfschmerzen?

- Welche Art von Kopfschmerzen?
  Schmerzen, die vom Schädelinneren ausgehen, bedürfen der Abklärung
  durch den Arzt.
  Frontaler Kopfschmerz tritt oft im Zusammenhang mit Erkältungs-
  krankheiten auf (Nebenhöhlenentzündung)

- Seit wann? Wie häufig?

- Welche Begleitsymptome?
  (Übelkeit, Erbrechen, Nackensteifigkeit, Sehstörungen, Lähmungen,
  Bewußtseins- und Sinnesstörungen)

   !!! Bei diesen Begleitsyptomen oder wenn ein Zusammenhang mit
       einer Verletzung besteht, ist ein Arztbesuch dringend anzuraten.

- Welche Arzneimittel wurden bereits angewendet?

- Ist der Patient bereits in ärztlicher Behandlung wegen anderer Erkrankungen?

Grenzen der Selbstbehandlung

Zum Arzt, wenn:

- Kopfschmerz mit Nackensteifigkeit (Meningitis mgl.)

- Kopfschmerz mit langanhaltender Übelkeit oder Erbrechen (Vergiftung)

- Kopfschmerz nach körperlicher Anstrengung

- Dauerkopfschmerz, d.h. chronischer Kopfschmerz und länger als 24 h

- Migräne

- Schwangerschaft/Stillzeit

- Kinder unter 7 Jahren und ältere Patienten
  Achtung! Jugendliche und ältere Patienten können eine Blutdruckkrise
  haben, evtl. den Blutdruck messen

- Patienten, die in ärztlicher Behandlung sind, z. B. Glaukom-Patienten,
  Anfallsleidende, bei Herz- /Kreislauferkrankungen, Asthmatiker, Diabetiker.

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VERSTOPFUNG

Fragen zur Symptomerfassung

- Wer benötigt ein Abführmittel?

- Bestehen die Beschwerden schon länger?

- Treten zusätzliche Beschwerden auf?
  (Schmerzen, Krämpfe, Brechreiz usw.)
  Streng kontraindiziert ist die Anwendung eines Abführmittels
  bei Darmverschluß. Er könnte durch plötzlich unregelmäßigen
  Stuhl, evtl. Schmerzen erkennbar sein.

- Welche Arzneimittel wurden bereits angewendet?

Grenzen der Selbstbehandlung

Zum Arzt, wenn:

- Chronische Obstipation

- Obstipation mit Übelkeit, Schmerzen,
  Erbrechen, Blut im Stuhl
  (z.B. bei Hämorrhidalbeschwerden)

- evtl. Schwangerschaft/Stillzeit

- Kinder unter 6 Jahren

- Laxantienabusus

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MAGENBESCHWERDEN

Fragen zur Symptomerfassung

- Wer hat die Beschwerden?
  Bei Kindern unter 7 Jahren sollte man auf den Arzt verweisen.

- Seit wann treten die Beschwerden auf?
  Chronische Beschwerden bedürfen einer ärztlichen Behandlung.

- Tritt Sodbrennen auf?

- Bestehen die Beschwerden auch, wenn der Magen leer ist?

- Treten die Beschwerden gleich nach dem Essen auf?

Grenzen der Selbstbehandlung

Zum Arzt, wenn:

- starke oder krampfartige Schmerzen;
  gleichzeitiges Erbrechen

- ständige Beschwerden,
  ständiger Nüchternschmerz

- AM-bedingte Beschwerden
  (ASS und andere Analgetika)

- Schwangerschaft

- Kinder unter 7 Jahren

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Letztmalig geändert am 3.3.2002  © Dr.Joachim Framm